Kurz erklärt
Ein Roboter rechnet in mehreren Koordinatensystemen: Welt-, Basis- bzw. Werkstück- und Werkzeugkoordinatensystem. Der wichtigste Punkt ist der TCP (Tool Center Point), die Spitze bzw. der Arbeitspunkt des Werkzeugs.
Positionen werden für den TCP programmiert. Damit die Steuerung weiß, wo der TCP liegt, muss das Werkzeug vermessen werden. Ein Werkstück- oder Basiskoordinatensystem auf der Vorrichtung erlaubt es, ein ganzes Programm zu verschieben, wenn die Vorrichtung versetzt wird.
Wofür brauche ich das?Um Programme verständlich aufzubauen, Werkzeuge korrekt zu vermessen und nach einem Umbau schnell wieder produzieren zu können.
PraxisbeispielNach einem Greifertausch wird der neue TCP vermessen. Die Punkte im Programm stimmen danach wieder, ohne dass jeder Punkt neu geteacht werden muss.
Typischer FehlerNach einem Werkzeugwechsel mit den alten Werkzeugdaten weiterfahren. Der Roboter fährt dann zwar „richtig“, aber der echte Werkzeugpunkt liegt woanders – Kollisionsgefahr.
Mehr Details
Beim Handverfahren kann man zwischen achsspezifischem Verfahren (jede Achse einzeln) und kartesischem Verfahren (in X, Y, Z und um die Achsen eines Koordinatensystems) wählen. Häufig wird der TCP mit einer Mehrpunktmethode vermessen: Eine feste Referenzspitze wird aus mehreren Richtungen mit der Werkzeugspitze angefahren.
- Weltkoordinatensystem: fester Bezug der Zelle.
- Basis- oder Werkstückkoordinatensystem: liegt auf Vorrichtung oder Werkstück.
- Werkzeugkoordinatensystem: Ursprung im TCP, bewegt sich mit dem Werkzeug.
Mini-Beispiel & Fachbegriffe
Mini-Beispiel: Beim Kleben soll die Düse entlang einer Kante fahren. Im Werkzeugkoordinatensystem lässt sie sich gezielt „in Düsenrichtung“ vor- und zurückbewegen.
- Tool Center Point (TCP): Arbeitspunkt des Robotergreifers oder -werkzeugs, auf den sich programmierte Positionen beziehen.
- TCP-Vermessung: Ermitteln von Lage und Orientierung des TCP gegenüber dem Roboterflansch.
- Kartesisches Verfahren: Handverfahren eines Roboters entlang X, Y, Z und um diese Achsen eines gewählten Koordinatensystems.
Vertiefung & Praxis
Die Idee entspricht dem Werkstücknullpunkt an der CNC-Maschine: Bezieht sich das Programm auf ein Werkstückkoordinatensystem, reicht nach einem Versatz das neue Einmessen dieses Systems.
Zu den Werkzeugdaten gehören auch Lastdaten: Masse und Schwerpunkt von Greifer und Werkstück. Falsche Lastdaten führen zu ungenauen Bahnen, Überlast oder verfälschter Kollisionserkennung.
Schritt für Schritt
- Werkzeug montieren und Lastdaten eintragen.
- TCP mit der vorgesehenen Methode vermessen.
- Basis- bzw. Werkstückkoordinatensystem einmessen.
- Mit reduzierter Geschwindigkeit testen.
Lerncheck
Prüfe dich selbst, bevor du zum nächsten Thema wechselst:
- Nenne drei Koordinatensysteme und ihren Bezug.
- Erkläre, was der TCP ist.
- Unterscheide achsspezifisches und kartesisches Verfahren.
- Beschreibe die Folgen falscher Werkzeug- oder Lastdaten.
Frage & Antwort
Kontrollfrage: Warum spart ein Werkstückkoordinatensystem Arbeit, wenn eine Vorrichtung versetzt wird?
Antwort: Alle Punkte des Programms beziehen sich auf dieses Koordinatensystem. Wird nur das System neu eingemessen, verschieben sich alle Punkte mit – ohne jeden Punkt neu zu teachen.