Kurz erklärt
Eine Naht ist nur so gut wie ihre Bindung zum Grundwerkstoff. Typische Fehler: Poren (Gaseinschlüsse), Bindefehler (Naht liegt auf, ohne zu verschmelzen), Einbrandkerben am Nahtrand, Schlackeneinschlüsse, Risse, Durchbrand und Nahtüberhöhung. Dazu der Verzug: Beim Abkühlen schrumpft die Naht und zieht die Teile schief.
Jeder Fehler hat typische Ursachen. Poren: Feuchtigkeit, Rost, Fett oder zu wenig Schutzgas. Bindefehler: zu wenig Strom, zu schnelle Führung, falscher Brennerwinkel, zu enge Fuge. Einbrandkerben: zu viel Strom, zu langer Lichtbogen, falscher Brennerwinkel oder zu schnelle Führung – beim Pendeln an den Flanken zu kurz verweilt. Schlacke: Lagen nicht gereinigt (E-Hand). Risse: zu schnelle Abkühlung, Wasserstoff, Eigenspannungen, harte Werkstoffe ohne Vorwärmen. Verzug: einseitiger Wärmeeintrag und falsche Schweißfolge.
Wofür brauche ich das?Um Fehler schon beim Schweißen zu vermeiden, eine Naht beurteilen zu können und zu wissen, wann eine Prüfung nötig ist.
PraxisbeispielEin Rahmen soll nach dem Schweißen plan sein. Der Lehrling schweißt alle Nähte der Reihe nach auf einer Seite – der Rahmen wölbt sich um 3 mm. Beim zweiten Rahmen heftet er, schweißt wechselseitig und im Pilgerschritt – 0,5 mm.
Typischer FehlerEine Naht „schön dick“ legen, um sicherzugehen: Nahtüberhöhung erzeugt Kerbwirkung und zusätzlichen Verzug, trägt aber nicht mehr als die geforderte Naht.
Mehr Details
Prüfverfahren: Sichtprüfung (VT) ist immer der erste Schritt – Nahtform, Kerben, Spritzer, Risse an der Oberfläche. Farbeindringprüfung (PT) macht feine Oberflächenrisse sichtbar: rotes Eindringmittel, reinigen, weißer Entwickler zieht das Mittel aus dem Riss. Magnetpulverprüfung (MT) für ferromagnetische Stähle zeigt Risse bis knapp unter die Oberfläche. Ultraschall (UT) und Durchstrahlung (RT) finden innere Fehler: UT zeigt flächige Fehler wie Bindefehler und Risse besonders gut, RT bildet Poren und Einschlüsse ab. Zerstörende Prüfungen (Biegeprobe, Bruchprobe, Schliff) an Arbeitsproben zeigen Einbrand und Wurzel. Gegen Verzug: Heften, wechselseitig schweißen, Pilgerschritt, Vorspannen, Spannvorrichtungen, möglichst wenig Lagen.
- Poren = Gas im Bad (Feuchte, Fett, Rost, zu wenig Schutzgas).
- Bindefehler = keine Verschmelzung (zu kalt, zu schnell, falscher Winkel).
- Einbrandkerbe = Kerbe am Nahtrand (zu heiß, zu schnell, an den Flanken nicht gefüllt) – Rissstarter.
- Prüfen: VT immer, PT/MT für Oberflächenrisse, UT/RT für innere Fehler.
- Verzug: heften, Schweißfolge planen, wechselseitig, Pilgerschritt.
Mini-Beispiel & Fachbegriffe
Mini-Beispiel: Ein Schliff durch eine Kehlnaht zeigt: Die Naht liegt wie ein Wulst auf dem Blech, darunter ein dunkler Spalt – Bindefehler. Strom war zu niedrig, der Brenner zu steil auf das obere Blech gerichtet.
- Bindefehler: Unregelmäßigkeit einer Schweißnaht, bei der Bereiche nicht ausreichend aufgeschmolzen oder miteinander verbunden sind.
- Poren: Im Schweißgut eingeschlossene Gasblasen, die als Unregelmäßigkeit einer Naht sichtbar werden können.
- Einbrandkerbe: Rinne am Nahtrand, wo der Lichtbogen Grundwerkstoff weggeschmolzen hat, ohne ihn zu füllen – wirkt als Kerbe und Rissstarter.
- Schweißverzug: Verformung der Teile durch das Schrumpfen der abkühlenden Naht; gegensteuern mit Heften, Schweißfolge, wechselseitigem Schweißen und Spannvorrichtungen.
- Farbeindringprüfung: Zerstörungsfreie Prüfung auf Oberflächenrisse: Ein rotes Eindringmittel kriecht in Risse, wird abgewaschen, und ein weißer Entwickler zieht es wieder heraus – der Riss wird als rote Linie sichtbar.
- Pilgerschritt: Schweißfolge gegen Verzug: kurze Nahtabschnitte entgegen der Gesamtrichtung, jeweils ein Stück zurückversetzt.
Sicherheit & wichtige Grenzen
Beim Entfernen von Schlacke und Spritzern fliegen heiße Splitter: Schutzbrille auch nach dem Schweißen tragen. Prüfmittel der Farbeindringprüfung sind Sprays mit Lösemitteln – Lüftung und Hautschutz beachten.
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Wasserstoff aus feuchter Elektrodenumhüllung oder Rost löst sich im Schmelzbad und sammelt sich beim Abkühlen in Rissen – deshalb basische Elektroden rücktrocknen und Nahtbereiche trocken und sauber halten.
Bewertungsgruppen (B, C, D) legen fest, welche Fehlergröße zulässig ist. Eine Naht am Spielzeugregal braucht nicht dieselbe Qualität wie ein Anschlagpunkt für Lasten – die Zeichnung sagt, welche Gruppe gilt.
Schritt für Schritt
- Vor dem Schweißen: Fuge reinigen, trocknen, Parameter nach Anweisung.
- Beim Schweißen: Brennerwinkel, Geschwindigkeit und Lichtbogenlänge konstant halten.
- Nach dem Schweißen: Schlacke und Spritzer entfernen, Sichtprüfung der ganzen Naht.
- Bei Zweifel: PT oder Schliff an einer Arbeitsprobe; Ursache abstellen, nicht nur nachschweißen.
Lerncheck
Prüfe dich selbst, bevor du zum nächsten Thema wechselst:
- Nenne drei Ursachen für Poren.
- Erkläre, warum eine Einbrandkerbe gefährlicher ist als eine Nahtüberhöhung.
- Welche Prüfung findet innere Bindefehler?
- Beschreibe zwei Maßnahmen gegen Verzug.
Frage & Antwort
Kontrollfrage: Eine MAG-Naht zeigt viele kleine Löcher an der Oberfläche. Nenne drei mögliche Ursachen und was du jeweils prüfst.
Antwort: Poren: zu wenig Schutzgas (Gasmenge, Düse verstopft, Zugluft prüfen), verunreinigte Fuge (Fett, Rost, Farbe, Feuchte – reinigen und trocknen) oder zu langer Kontaktrohrabstand/zu lange freie Drahtlänge (Abstand verringern). Erst Ursache abstellen, dann nachschweißen.